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Regionale Gemeinwirtschaft

ROLAND-Regional Wirtschaftsring

Die Situation

In seinem Buch „Gemeinwohlökonomie“ listet Christian Felber folgende zehn krisenhafte Tatbestände als „Folgen von Gewinnstreben und Konkurrenz“ im Kapitalismus als charakteristisch für unsere Situation, in der wir uns schon seit geraumer Zeit befinden, auf: Konzentration und Missbrauch von Macht; Ausschaltung des Wettbewerbs und Kartellbildung; Standortkonkurrenz; ineffiziente Preisbildung durch Marktmacht; soziale Polarisierung und Angst; Nichtbefriedigung von Grundbedürfnissen und Hunger; ökologische Zerstörung; Sinnverlust; Werteverfall; Ausschaltung der Demokratie.    

Eine Aussage verdeutlicht, worum es – letztlich bei all diesen Punkten – im Kern geht: „Die Befriedigung von Grundbedürfnissen ist nicht das Ziel des Kapitalismus, sondern die Vermehrung von Kapital.“ Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht nur werden kleine Unternehmen Opfer eines oft gnadenlosen Konkurrenzkampfs, sondern auch die Politik ist der Macht des Großkapitals fast hilflos ausgeliefert: „Globale Unternehmen, Banken und Investmentfonds werden so mächtig, dass sie über Lobbying, Medienbesitz, Parteienfinanzierung und Public Private Partnerships Parlamente und Regierungen erfolgreich dazu bringen, ihren Partikularinteressen und nicht dem Gemeinwohl zu dienen.“

Wenn wir uns nun auf Art. 14 des Grundgesetzes oder Art. 1 des ersten Zusatzprotokolls der Europäischen Menschenrechtkonvention berufen, wo es heißt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“, dann hilft diese Floskel, wie wir erfahren, nichts, um beispielsweise Kapitaleigentümer auf das Gemeinwohl zu verpflichten, denn dort steht nur „soll“, und wozu Eigentum verpflichtet, wird nicht genannt. Und selbst wenn es, wie in der Verfassung des Freistaats Bayern, in Art. 151 ganz eindeutig heißt: „Alle wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“, dann bedeutet das real noch gar nichts, weil die Ideologie der individuellen Verfügungsgewalt über Eigentum, insbesondere über Kapital, nach egoistischem Interesse in den meisten Köpfen  als unantastbar verankert ist. Dass aber die Verfolgung egoistischer Interessen noch kein Gemeinwohl hervorbringt, wird immer offenkundiger. Also ist es an der Zeit, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen.

Die Aufgabe

Vor dem Hintergrund dieser Bestandsaufnahme ist es unsere Vision, zunächst einmal einen wichtigen Teil unseres menschlichen Gemeinwesens, den ökonomischen Bereich, so weit wie möglich nach einfachen und leicht nachvollziehbaren Grundsätzen kooperativ zu gestalten. Charakteristisches Merkmal ist ein lebensförderndes Miteinander anstelle eines lebensschädlichen Gegeneinander. Es bestimmt sich durch Qualitäten wie Vertrauen, Solidarität, Unterstützung, Achtung. Dadurch werden wir nicht Gegner in einem gnadenlosen Wettbewerb, sondern wahren als Partner unsere menschliche Würde.

Mit dem ROLAND-Regional Wirtschaftsring schaffen wir eine regionale Gemeinwirtschaft, durch die ein Großteil des täglichen Bedarfs in vielen Bereichen regional gedeckt werden kann. So stammen dann z. B. nicht nur viele Produkte und Dienstleistungen aus der Region, auch das Geld, das die Verbraucher und Kunden ausgeben, bleibt – anders z. B. als bei großen Ketten – dort. Dies ist durch die Verbindung von Produzenten, Händlern, Dienstleistern und Konsumenten möglich und geschieht finanziell über eine eigene Verrechnungseinheit (den „Roland“). Damit ist ROLAND-Regional eine Organisation, die im Sinne des Gemeinwohls wirkt.

Das tun wir

Wir schaffen, erhalten und verbessern so eine Struktur und Regeln, die den Umgang der Beteiligten miteinander bestimmen. Wir nennen dies Gemeinwirtschaft, weil sie allen Beteiligten nützen soll und nicht den einen auf Kosten der anderen. So schaffen wir kein Machtgefälle. Auch wenn Konkurrenz auftreten sollte, ist sie nicht Antrieb, den anderen auszuschalten, sondern Ansporn, einen fairen Ausgleich zu finden. Nicht Wettbewerbsfähigkeit soll gesichert werden, sondern die Fähigkeit, miteinander eine gute Versorgung der Menschen in der Region zu erreichen und zu erhalten. Verbundenheit steht im Vordergrund, nicht trennendes Denken, das zu Kampf führt. Es wird, weil wir Menschen sind, zu unterschiedlichen Ausprägungen – zu einem Mehr und Weniger – bei Produzenten, Händlern oder Dienstleistern kommen, aber insgesamt geht es um ein dynamisches, kein starres Gleichgewicht zwischen den Beteiligten.  

Eine solche regionale Gemeinwirtschaft ist gesund. Darunter verstehen wir: Sie ist nachhaltig in Bezug auf die Produktionsmittel, ausbalanciert in Bezug auf die Herstellung, widerstandsfähig in Krisen, sicher auf Dauer und fair im Miteinanderumgehen aller Beteiligten. Sie ist zwar mit der durch den Euro verbundenen Wirtschaft verzahnt, existiert aber gleichzeitig neben dieser, was mehr Sicherheit gibt. In vielen Bereichen wird es geschlossene Kreisläufe geben, die die Beziehungen untereinander stabilisieren.

Deswegen setzen wir auf Kooperation – und zwar in der Produktion, bei der Dienstleistung und in der Verteilung sowie zwischen Anbietern und Kunden. Es geht also auf der einen Seite um die persönliche kooperative  Haltung, auf der anderen Seite um die kooperative Struktur – beide stützen sich gegenseitig. Dies zu fördern ist Aufgabe des ROLAND-Wirtschaftsrings.


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