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"Der marktgerechte Patient"-ein Bericht (06.12.2018)

Am 16. November zeigte ROLAND-Regional Bildung und Wissen e.V. den Film "Der marktgerechte Patient" in Zusammenarbeit mit der Christengemeinschaft Bremen.

Es war fast eine Premiere. Die Filme von "KernFilm" haben die Besonderheit, dass die Premiere nicht an EINEM Ort stattfindet, sondern wie eine Kampagne an möglichst vielen Orten gleichzeitig. Knapp 50 Menschen waren bei uns anwesend. 

Es ging um die Einführung der Fallpauschalen in Krankenhäusern durch die rot-grüne Koalition 2003 und ihre Folgen. "Fallpauschalen" klingt sehr technisch. Nur, welche Folgen hat es, wenn bei einem Diabetiker mit Problemen in den Beinen die Amputation den Krankenhäusern ein Vielfaches einbringt gegenüber dem Versuch, durch eine längere Therapie (viele kleine Operationen?) die Durchblutung wieder herzustellen?

Im Gesundheitswesen geht es heute um die Frage: welchen einträglichsten Fall kann ich bei dieser Diagnose plausibel machen. Kommunale Häuser, die eine breite Versorgung bereitstellen müssen, sind zum Defizit verurteilt! Die Kommune darf nach EU-Recht keine Zuschüsse zahlen! Es bleibt nur der Ruin, die unendliche Hetze für die Beschäftigten und der Verkauf an Private.

In den deutschen Krankenhäusern stehe nicht mehr der Patient sondern das Geld im Mittelpunkt aller Gedanken, sagt der Oberarzt für Anästhesie Peter Hoffmann im Film. „Das Geld ist immer im Hintergrund aller Entscheidungen. Man tut etwas, um die Kosten zu reduzieren oder man tut etwas, um mehr Erlöse, mehr Einnahmen für das Krankenhaus zu generieren. Das Krankenhaus wird geführt wie eine Fabrik. Maximaler Output, minimaler Aufwand, schneller, und der Patient wird zum Werkstück, die Abläufe werden industriell strukturiert, der Patient wird vorne eingefüllt und kommt hinten raus, und zwar bitte ein bisschen schneller. Geht das nicht einen Tag schneller?"

Nach der Vorführung fand ein Gespräch statt. Ein anwesender Arzt berichtete und bestätigte die Aussagen des Films.

Die Teilnehmer*innen der Gesprächsrunde waren aufgewühlt! Da müssen wir etwas tun!  Nur, was denn? Viele zeichneten das Opens external link in new windowBürgerbegehren für mehr Personal und trugen sich in die Interessentenliste von ROLAND ein.

Ändert das die Fallpauschalen und den Neoliberalismus? Das Bürgerbegehren baut politischen Druck auf. Aber die Abgeordneten können den Antrag auch ablehnen.

Natürlich ändert das auch nicht den Neoliberalismus! (Das zu diskutieren würde hier jetzt wirklich den Rahmen sprengen.) Aber unser Ansatz ist: Wir bauen eine andere Versorgung der Menschen auf, innerhalb unseres Wirtschaftsrings. Bislang ist er nur ein zinsfreies Wirtschaften komplementär zum Euro (d.h. ergänzend!), wobei allerdings die Geldschöpfung in der Hand der Mitglieder liegt, die Wertschöpfung in der Region bleibt.

Es geht darum, dass wir uns in unserem Lebensnotwendigen außerhalb des Neoliberalismus versorgen! Und dazu gehört u.a. auch das Gesundheitswesen.

Der Film war ein hervorragender Anlass, diesen Gedanken sichtbar zu machen.

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