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Porträt: Jürgen Rademacher, Hof Lunetal (28.02.2019)

Jürgen Rademacher ist Bauer und das mit Leib und Seele. Er bewirtschaftet den Hof Lunetal. Seine Familie stammt vom Hof Freitag in Hipstedt (seit 1640). Dort liegt unter dem Pferdestall eine Quelle, die zwei Flüsse speist: die Lune und die Geeste.

So will es zumindest die Legende, wahrscheinlich liegt die Lunequelle aber auf dem Nachbarhof Sunderwall. Von seinem Hof in Taben bei Beverstedt blickt Jürgen über die Weiden und sieht die Bäume und Büsche am Ufer der Lune. Sein Käse kann nur „Lunetaler“ heißen :-)

Und so ist seine Opens external link in new windowHomepage . Sie ist keine Verkaufsshow, sie zeigt die Geschichte des Hofes, die Geschichte der Familie und die Dinge, die ihm als Bauer wichtig sind.

Seine Kühe müssen nicht jedes Jahr kalben. Soviel Nachzucht braucht er nicht. Kalben ist ein äußerst kraftzehrendes Ereignis für die Kühe und was passiert mit den Bullenkälbern, die er schon gar nicht braucht? Er versucht sie unterzubringen, wo sie ein artgerechtes Leben haben, Auslauf, Gras, Platz. Natürlich werden sie geschlachtet. Das ist so, wenn man Milch und Käse haben möchte, einmal abgesehen davon, dass jedes Stück Fleisch in der Pfanne etwas mit Schlachten zu tun hat.

Die Prinzipien seiner Tierhaltung finden wir auf seiner Homepage, hier nur eine kurze (wörtliche) Zusammenstellung des Wichtigsten. „Auf allen Weiden haben die Tiere durch Bäume und Hecken Schutz und Schatten, und kurze Wege zu den Tränken. im Sommer findet reine Grünfütterung statt. Zur Fliegenabwehr bleiben die Schwanzhaare lang und im Melkstand sorgen große Ventilatoren für weniger Fliegen und ein angenehmes Klima im Sommer. Die männlichen Kälber werden erst ab 6 Wochen verkauft. Uns kostet die längere Haltung so 4-5 €/Tag, davon bekommen wir nur einen kleinen Teil wieder. Durch unsere artgerechte Haltung (Weide, geringes Leistungsniveau und fast keine Spaltenböden) brauchen nur 5 -10 % unserer Tiere eine Klauenbehandlung im Behandlungsstand. Vielleicht aus denselben Gründen brauchten wir seit langem keine Tiere impfen. Unsere Kühe dürfen die Hörner behalten! Zucht auf Persistenz(Langlebigkeit) unsere Herde ist eine der ältesten in Norddeutschland (7,5 Jahre/Kuh im Durchschnitt)“.

In 20 km Umkreis um seinen Hof gibt es drei Wolfsrudel. Jürgen hat einen Wolfszaun aufgebaut und dann begrüßt er eines Morgens eine Rotte Wildschweine auf dieser Weide, unterhält sich nett mit ihnen und dann gehen sie wieder. Jürgens trockene Anmerkung: Jetzt bin ich gespannt, was die Wölfe zu dem Zaun sagen! Aber Kühe wissen sich zu wehren. Mark vom Sophienhof berichtete, er sei zu einer Weide mit seinen Kühen gekommen, sie standen im Halbkreis, die erfahreneren Tiere vorne, die Leitkuh in der Mitte, dahinter die Jungtiere. „Da musste gerade etwas gewesen sein.“ Und die Kühe haben ja ihre Hörner! Für Jürgen ist die Durchmischung von jüngeren und älteren Tieren, der Herdenverbund, das Soziale sehr wichtig.

Jürgen liebt seine Tiere! Wegen der Trockenheit im letzten Sommer vor allem ältere Tiere zum Schlachthof schicken zu müssen und dann noch zu lesen, wie die Tiere gerade auf dem betreffenden Schlachthof in Oldenburg behandelt wurden, ist ihm fast unerträglich.

Dieser Hof versucht sich den Marktgesetzen zu entziehen, das Tierwohl steht an erster Stelle. Jürgen füttert im Sommer keine Silage und im Winter nicht im Stall, er mag ganz persönlich diesen Geruch nicht! Und genau das merkt man bei seiner Milch! Köstlich!

Trotzdem geht es ums Überleben. Die durchschnittliche Milchleistung einer Kuh bei ihm beträgt 4000 l pro Jahr, bei den Turbokühen sind es über 10.000 l pro Jahr. Gut, der Verkauf als Demeter-Milch fängt etwas auf.

Eine sichere Direktvermarktung würde seine Situation erheblich entspannen. Wenn wir aber einmal den Begriff „Vermarktung“ streichen, dann können wir uns von Markt und Konkurrenz lösen: Menschen werden vom Hof mit Lebensmitteln versorgt, der Bauer bekommt seine Betriebskosten und ein Einkommen. So sollte es sein.

Wie kommt man an Jürgens Milch und Käse?

Er ist Mitglied in der SoLaWi des Sophienhofs im benachbarten Oldendorf. Dort können die Mitglieder von ihm exzellente Rohmilch (sollte abgekocht werden) und Schnittkäse beziehen. Milch und oder Käse werden dann in die Depots geliefert.Opens external link in new window Man kann auch nur Käse und Milch abonnieren. Ebenfalls gibt es einen Verkauf ab Hof und seinen Käse kann man auch im Bioladen in Bremerhaven bekommen.

Und Jürgen bietet Ferienwohnungen an, eventuell in Kürze auch einen Wohnwagenstellplatz. Das Lunetal ist eine wunderbare Naturlandschaft, die von solch einem Hof aus zu erleben ist sicherlich etwas ganz besonderes.

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